Es ist kompliziert

Bei Facebook gab es mal die Beziehungsstatusoption „Es ist kompliziert“. Gibt’s die noch? Benutzt die noch irgendjemand? Als ich ca. 13 oder 14 Jahre alt war, da stand mein Status regelmäßig auf „kompliziert“. Ich bin mir nicht sicher, ob ich mein jüngeres Ich belächeln oder ihm eins in die Fresse verpassen will. Kompliziert. Mit 14.

Natürlich ist das Leben mit 14 nicht einfach. Aber dieser ganze Beziehungskram ist es! Du verknallst dich in einen Typen in deiner Klasse (oder besser: eine Stufe über dir), merkst, dass er nichts von dir will, denkst die Welt geht unter und spätestens zwei Monate später findest du eine*n andere*n toll und die Story beginnt von vorne. Mann, ich war fertig, aber es war so simpel, so vorhersehbar.

Heute allerdings spielen die Hormone verrückt, als gäbe es kein Morgen, an dem sie auch noch ausgeschüttet werden könnten. Da ist mein Exfreund, zu dem mein Herz gezogen wird, meinen besten Freund, den mein Körper haben will, und meine beste Freundin, bei der sich meine Seele wohl fühlt. Und mein Gehirn so: Ich bin im Irrenhaus.

Manchmal habe ich das Gefühl, ich hätte die Pubertät verpasst. Oder genauer: Die Pubertät hätte sich nach hinten verschoben. Und so seit ein, zwei Jahren drehe ich vollkommen am Rad. Aber jetzt sagt halt keiner mehr „Ja mei, des is halt a schwieriges Alter…“, sondern jetzt nennen sie das „Persönlichkeitsstörung“.

Und dann merkst du, dass der Text, den du schreibst, gar nicht auf das hinaus will, worauf du hinaus willst. Und dann denkst du dir „Mann, noch nicht mal meine eigenen Gedanken gehorchen mir“. Und dann fällt dir ein, dass du in der ersten Klasse gelernt hast, dass „und dann“ ein wirklich beschissener Satzanfang ist. Und dann fragst du dich, ob du deine Tabletten heute schon genommen hast. Und dann überlegst du, warum du den Scheiß eigentlich noch schluckst.

Und alles nur, weil dir gestern klar geworden ist, dass diese alberne Geschichte mit den Hormonen vielleicht doch nicht so albern ist, wie du dachtest. Weil du zum ersten Mal sauer bist, zum ersten Mal verletzt. Weil das einfach nicht zu diesem Verliebtsein passen will.

Und dann fällt dir ein, dass dich diese nachdenkliche Passage von Hesse irgendwie schon wieder runter gezogen hat und du schaust auf die Uhr und denkst: Ich sollte schlafen. Denn morgen ist es sicher noch genauso kompliziert.

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