Lottas Logbuch III

Und wo wart ihr im Urlaub? Auf dem Mittleren Ring!, sage ich.
Die ersten zweieinhalb Stunden unsres österlichen Kurzurlaubes verbringen wir auf der Münchner Stadtautobahn. Weil komischerweise alle über Ostern in den Urlaub fahren wollen. Alle raus aus München. Und das heißt: Alle erst einmal an München vorbei. Wie wir.
Aber immerhin haben wir den Urlaub im Wohnmobil auf dem Mittleren Ring verbracht, meint einer meiner konstruktiv arbeitenden Mitfahrer aus dem Wohnzimmer. Leider verstehe ich nur die Hälfte, weil ich gerade mit der Kupplung das Wohnmobil achtzig Zentimeter nach vorne bewege und der Motor alles übertönt. Achtzig Zentimeter näher am Ziel. Ich gucke auf den Kilometerstand: 13,8. Ich habe genullt, als wir losgefahren sind. Bis Ljubljana sind es noch vierhundertundsechzig Kilometer.
Nach mehreren Fantasiereisen zu Orten, an denen kein Stau herrscht – also zu einem Ort ohne Straßen, jedenfalls ist auf Google Maps ganz Deutschland rot eingefärbt – sind wir aus München raus, über den Irschenberg und an Salzburg vorbei gekommen. Es regnet Katzen und Hunde. Oder so. Ihr wisst schon. Nach Urlaub fühlt sich das nur bedingt an, nachdem am Montag schon die Glühkerzen einen kurzen Aussetzer hatten und am Donnerstag Morgen beim Wassertankauffüllen das Wasser eins zu eins unter dem Wohnmobil wieder zum Vorschein gekommen ist, weil der Ablassschlauch weg war. Einfach weg. Wer klaut einen halben Meter alten Gummischlauch?
Aber als wir am nächsten Morgen im Sonnenlicht das Panorama unseres im Dunkeln ziemlich willkürliche gewählten Parkplatzes sehen, bin ich wieder versöhnt. Nach Ljubljana haben wir es noch lange nicht geschafft, nur bis einige Kilometer hinter Salzburg. Aber der Weg ist ja das Ziel und so.
Es ist schon interessant, wie unsere Generation aufwächst: Unsere Grenzkontrolle mit dem Stempel in den Reisepass ist das Aufkleben der Vignette für die Maut – die Grenzhäuschen stehen verlassen da wie ein Relikt aus lange vergessenen Zeiten – und unser Geldwechsel ist die Frage, ob Datenroaming im Handyvertrag enthalten ist. Und der Straßenatlas, naja, der hat sich – vor allem, da wir alle Prepaid SIM-Karten haben und damit sogar aktuelle Verkehrsdaten abrufen können – dank der ganzen Navi-Apps sowieso erledigt. Der liegt hier nur noch zur Deko rum.
Angekommen auf der slowenischen Autobahn sehe ich nach einigen Kilometern die Ausfahrt nach Naklo. Ich schreie laut ‚Naklo!‘ nach hinten, lege eine Vollbremsung hin und drifte um die Kurve, fahre ein paar Meter auf den linken Reifen, bis ich mit quietschenden Stoßdämpfern wieder lande und durch den Kreisverkehr rutsche. Also eigentlich habe ich das Ausfahrtschild schon zwei Kilometer vorher gesehen und die Ausfahrt so genutzt, wie es – vor allem mit einem Wohnmobil – ratsam ist, aber das klingt halt nicht so cool.
In Naklo waren wir vor zweieinhalb Jahren zufällig, weil uns von der Landstraße aus die knallrote Kirche fasziniert hat, und dort habe ich den besten Latte Macchiato meines Lebens getrunken. Genau dort, im Klub Kovac, essen wir zu Mittag. Und streng genommen auch zu Abend, denn die Pizzen reichen für zwei Mahlzeiten. Dazu gibt es für jeden von uns Fünf einen Softdrink und ein heißes Getränk zum Nachtisch. Für insgesamt fünfundvierzig Euro. Der Kirche statten wir auch noch einen Besuch ab, bevor wir – es ist immerhin schon wieder später Nachmittag – weiter fahren. Vielleicht nach Ljubljana, wer weiß.

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