„For an Italian, a Coffee Is the Fastest Thing in the World“

…erklärte uns Luca Pes in der Einführungsrede zu unserer Orientierungswoche. „So I really cannot understand when someone tells me, he doesn’t have time to drink a coffee with me. It’s like a personal insult!“ Tatsächlich ist Kaffee das Bezahlbarste, was man in Venedig findet. Pizza Margherita: 12€. 0,2 l Wasser: 3,80€. Nudeln mit Tomatensoße 11,50€. 0,33l Bier: 3,50€. Caffé: 1€.

Gut, damit ist auch nur ein Schluck Espresso gemeint, den man an der Bar stehend runterkippt, aber es gibt auch wirklich guten Cappuccino (im Sitzen) für 2€ bis 2,50€. Doch Luca Pes wollte keine Werbung für Kaffee machen – jedenfalls nicht absichtlich: Seine gleichmäßige, ruhige Rede hat einen ohnehin nach Koffein lechzen lassen. Nein, er wollte uns damit die kulturellen Differenzen der in diesem Semester vertretenen Nationalitäten veranschaulichen.

Kulturelle Differenzen hin oder her – eines war international gleich: Der Medienkonsum während der Einführungsveranstaltungen. Ich habe manchmal den Eindruck, dass sich unsere Generation ohne Smartphone überhaupt nicht mehr länger als fünf Minuten auf das Gesagte konzentrieren kann. Alle mir bekannten Studien widersprechen mir, aber ohne ein sinnloses Spiel, den Wetterbericht oder meine Eisprung-App schweifen meine Gedanken so schnell so weit ab, dass ich beinahe nicht mehr da bin. Haben Finger und Augen irgendetwas zu tun, hat man wenigstens ein Ohr frei.

Die Opening Ceremony hat auch wenig mit Ceremony oder Opening zu tun. Eher mit zwei alten Männern, die etwas von dem Potenzial junger Menschen, der Rettung der Welt und Michelangelozitaten erzählen. Gefolgt von Generali-Werbung. Wobei man sagen muss, dass das von dem Versicherungskonzern ins Leben gerufene „Human Safety Net“ auf den ersten Blick tatsächlich ganz sympathisch erscheint. Was genau der präsentierende CEO Philippe Donnet mit der Venice International University zu tun hat, wurde mir zwar nicht klar, aber vielleicht war ich dafür zu sehr damit beschäftigt, den Fahrplan der Vaporetti durchzuklicken.

Die Aufmerksamkeit im Saal stieg schlagartig mit Ende der Rede und Beginn des „Tribute to Debussy“-Konzerts. Und seitdem liebe ich diese Universität! Für die Akustik dieser Aula Magna! Außerdem gab es anschließend ein geselliges Zusammensein bei Sekt und Oliven, das erst durch die unerträglichen Mücken beendet wurde.

Es ist schon interessant. Ich kannte niemanden (außer meinem Mitbewohner), auch nicht die anderen Austauschstudierenden aus München. Man sollte ja meinen, dass man sich dann vollkommen frei zwischen den Nationalitäten bewegt, zumal die kulturellen Unterschiede bei Weitem nicht so groß sind wie man meinen könnte – immerhin haben wir alle immer Zeit für einen Kaffee – aber nach ein paar Small-Talk-Versuchen mit Italienerinnen, Israelis und US-Amerikanern landet man doch schnell wieder bei den anderen LMU-Studierenden.

Das ist irgendwie ein sicherer Hafen, ganz ohne Sprachbarriere und mit einer weitaus geringeren Gefahr, dass einem die Themen ausgehen. Die Hälfte der Zeit, die man mit den „Anderen“ spricht, wird man ohnehin über das Oktoberfest ausgefragt. Aber lieb scheinen sie alle zu sein. Ein bunter, diskussionsfreudiger Haufen – Dozierende eingeschlossen – , mit dem man sicher noch einige Caffé trinken wird.

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