Ist das Architektur oder kann das weg?

Manchmal denke ich, ich hätte Künstlerin werden sollen. Ich kann zwar kaum malen, aber das ist bei moderner Kunst ja auch nicht nötig. Vor Architektur hatte ich immer etwas mehr Respekt, denn ich dachte dafür müsste man rechnen können – etwas, das mit ungefähr genauso gut liegt wie malen. Aber jetzt war ich auf der Architektur-Biennale in Venedig. Und ich hätte definitiv Architektin werden sollen.

Mit moderner Architektur scheint es ähnlich zu sein, wie mit moderner Kunst – wobei es mir schwerfällt, das eine vom anderen zu unterscheiden: Wenn man niemanden hat, der einen herumführt und jedes Detail erklärt, sieht man einfach nur einen Haufen Schrott. Oft im wörtlichen Sinne. So war Bestand der albanische Pavillion aus alten Türen und von der Decke baumelnden Fotos oder Schildern. Sah cool aus. Hatte Charme. Nur die Aussage oder den Sinn dahinter verstehe ich nicht.

Viele Objekte haben dafür extra ein Schild mit Erklärungen. Nach zwei solcher Schilder mit Sätzen wie „dieses Modell zeigt die Endlichkeit des Unendlichen in einer global-imperialistischen Welt“ habe ich aufgegeben. Auch interessant waren weiße Säulen. Glatte, gerade, senkrechte weiße Säulen. Ohne Sockel, ohne Kapitelle, ohne Muster, ohne Struktur. Ich dachte immer, so weit wäre die Architektur schon vor einigen Jahrtausenden gewesen, aber damit kenne ich mich nicht aus. Der Witz übrigens: Die Säulen haben nichts gestützt. Wie auch, ist ja nur Pappe. Aber dass da einfach einige Säulen nutzlos nebeneinander stehen, ist wohl Kunst. Hätte ich auch machen können. Habe ich aber nicht. Und das ist wohl das, was mich von Künstler*innen unterscheidet.

Übrigens will ich damit nicht die Biennale schlechtreden. Es war schon faszinierend, da durchzulaufen, verschiedenste Eindrücke mitzunehmen und natürlich grüne, Bäume darstellende Filzpuschel zu streicheln. Doch die Architektur, die mich wirklich beeindruckt hat, war nicht die ausgestellte, sondern das Ausstellungsgelände selbst. Das wohl bekanntere Giardini-Gelände ist nicht besonders spannend, aber das Arsenale ist selbst dann einen Besuch wert, wenn man mit der Ausstellung nichts anfangen kann. Dort wurden Jahrhunderte lang die venezianischen Schiffe gebaut, denen das Imperium seine militärische und wirtschaftliche Macht zu verdanken hatte. Alle wollten damals venezianische Schiffe haben – oder wenigstens darauf mitfahren, um ihre Waren im gesamten Mittelmeerraum und darüber hinaus unter die Leute zu bringen. Und dieses alte Gelände – obwohl Napoleon auch hier seine Finger im Spiel hatte – hat immer noch einen unglaublichen Charme. Und die Risse in der Mauer sind für mich, wenn auch nicht Kunst im Sinne von artifiziell, die schönste Dekoration.

 

 

Auch eher dekorativ schien unser Boiler zu sein. Auch hier hält langsam aber sicher der Winter Einzug und ich bin hier noch verfrorener als in Deutschland. Ich weiß nicht, ob es an der höheren Luftfeuchtigkeit liegt oder an der unterbewussten Erwartung, in Italien müsse es warm sein, aber ich trage hier bereits bei 7 Grad plus drei Pullis und eine Winterjacke übereinander und eine Strumpfhose unter meiner Jeans. Und trotzdem friere ich. Da unsere Uni Geschichte hat und erst Kloster, dann verlassen, dann Kloster, dann verlassen, dann Kloster und schließlich Irrenhaus war, haben wir dort keine Zentralheizung. Wir haben diese super-umweltfreundlichen, super-effektiven, super-lautlosen, überhaupt nicht nervigen Warmluftventilatoren, die den Strom beinahe wortwörtlich zum Fenster rausblasen, aber definitiv den Raum nicht nennenswert erwärmen. Der Sohn unseres Professors hatte heute schulfrei, weil das Klassenzimmer zu kalt war. Wir sollten so etwas auch in der Uni einführen. Oder Decken ausgeben, meinte mein Prof. Dann müsste man nicht immer seine eigene von zu Hause mitbringen – ohne Scheiß, das machen verfrorene Menschen wie ich.

Da es also in der Uni immer kalt ist (außer im Computerraum mit den begeisternden Windows-Vista-Rechnern), es draußen kalt ist, es in den Museen kalt ist und man nicht 24/7 in einer Bar stehen kann, haben wir angefangen zu heizen. Das heißt: Wir wollten anfangen zu heizen. Leider entpuppte sich der Boiler als etwas zickig. Man kann durchaus alle Heizkörper zentral anstellen, nur leider füllen sich dadurch diese Heizkörper exakt ein Mal, kühlen aus und verfallen wieder in Sommerschlaf. Das ist tagsüber nicht so schlimm, dann geht man halt alle 30 Minuten zum Boiler. Aber das Aufstehen am Morgen ist unangenehm. Nach drei Nächten unter drei Decken habe ich unsere Immobilien-Agentur um Hilfe gebeten. Und siehe da: Wir haben anscheinend ein Thermostat im Wohnzimmer. Und das war scheinbar auf 15 Grad eingestellt…

 

 

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